Autor: Ezra T. Anders
Heimweh
Kreislauf
Soziologisches Proseminar
Sie diskutieren den ganzen Tag über Marx‘ Klassen,
was das in der Realität bedeutet,
können sie dann aber nicht raffen.
ETA, Februar 2020
Roaring numbers
Life is messy, full of stress too many tasks for this short game of chess. Must perform at any time while the tutor watches until he routinely chimes. He offers a journal always at hand a shadow eternal does more than demand. With ordinary sins long time gone a chapter begins while the metering goes on: The numbers role the numbers tell whether heaven gets a soul or just bittersweet hell. We’ve been good we’ve been bad there’s no space for could but we still don’t get mad. Flesh decayed to numbers minds are lost in space our future gets lumbered for today’s epic chase. Have you ever wondered, who is behind? These are humans that just defined. They welded together an object of hope created a tether made of digital dope. Their power is hidden inscribed deep inside questions forbidden unless it is tried. Putting their morals in a spotlight so bright reveals crusted corals inside their tutor’s bytes. Only through looking closely at them we overturn the hooking and become free wo/men. In the end, we’re the master steering the wheel making our ride faster or searching for the real.
ETA, November 2020
Nacht der Zeit
Einst schrieben wir Jahre AM 5693 563 BC 1969 AD Hier haben wir. Keine Uhren an uns. Die Zeitfresser haben wir verbannt, ohne Hoffnung und Plan. Jetzt bewegen wir uns vorwärts. Die eigene Geschichte, eine fröhliche Tragödie. Verbrannt vom überfüllten Raum, geflutet von der Bewegung der Zeit. Dort bewegten wir uns rückwärts. Und so schreiben wir an diesem Ort. Hier waren wir, hier sind wir, hier werden wir sein.
ETA, März 2020
Könnte es
Alle Fragen wann es endet dabei startet es erst Jetzt. Könnte es Bloß rückwärst sie sich wenden, auf der Suche nach der Norm. Besser vorwärts, Stimme laut: Ketten rasselnd bis sie springen, Zukunft schreibend auf zum Glück. Kämpfend hin zur Anerkennung, Börse stürzen dann den Grips. Könnte es Vom aufgehängt zum abgehängt, bald wieder zurück ins Nichts. Auf Gemälden es vermodert, hinter Mauern keine Sicht. Davon weniger sind mehr, das Meer für alle Seelen, Nichts für wenige davon. Könnte es Nun gestraft durchs selbst belügen, denn gestartet wurde nie. Die Geschichte bleibt ein Fügen, und wir Andern bloß das Vieh. Könnte es. Könnte es. Könnte es. Könnte es. Könnte es. Könnte es.
ETA, Mai 2020
Lose Seile im Morast
Ein Hilferuf
verfolgt mich seit ich denke.
Er springt von Ort zu Ort
in jeder neuen Welt.
Egal wohin ich mich auch wende
sein Morast verschluckt den Blick.
Mit jedem Schritt ich suche
einen sichern Weg hindurch.
Von links und rechts
die immer gleichen Rufe hallen.
Werf ich ein Seil
folgt doch kein Griff.
Dabei kann ich doch nur werfen
ein Todessprung bringt nichts.
Und so schallt es munter weiter
die Hände kraftlos außer Sicht.
Denn sie wollen nicht erfahren
was nicht nützt nur schadet schön.
Meine Reise führt mich weiter
bis zum falschen letzten Schritt.
ETA, September 2020
Jetzt, nicht hier
Trage den Kopf in den Wolken;
bin nicht hier,
vor allem nicht im Jetzt.
Gehe nur einmal zurück,
aber das jedes Mal.
Wo wird das enden?
Muss es nicht wissen.
Bleibe zurück in der Nacht,
bis zur Brandung des Morgens.
Alle Blätter beschrieben,
keine neuen zur Hand.
Im Spiegel, ein armes Gesicht,
auf der Treppe ganz unten.
Davor, ein Körper der Mitte,
der sich selbst verkennt.
Kann es nicht sehen,
gut antwortet die Welt.
Bin der Grund,
für das Ende vor uns allen.
Trage den Kopf in den Wolken;
bin nicht jetzt,
vor allem nicht im Hier.
ETA, Juli 2020
Identitätskrise
An sich sind wir, für sich dürfen wir nicht sein. Aufgelöst, in süßen Phrasen der Geschichte: Alle Menschen sind gleich Wir sind es nicht. (Waren es nicht, werden es in dieser Geschichte nie sein.) Klassen sind stumpfe Relikte, in schwarz-weiß klagen sie uns an. Kämpfe vertrocknen wie Stempel, nichts für uns Zufriedene. Die einzige Wut, wenn sie uns denn findet, wird nach unten gespuckt. In Schrift und Wort und Bild, ertränken wir uns darin. Zur gleichen Zeit strampeln wir nach oben, in der Hoffnung uns wieder zu sehen. Das Ende, dann so nah, bringt das Oben nach Unten, und der Horizont, erstrahlt noch immer gleich.
ETA, Juli 2020
