Ein paar Augen
Weit aufgerissen, sie starren mich wissend an.
Ich will den Kopf wegdrehen, dem Blick ausweichen.
So hat es uns der Herr Lehrer ja beigebracht. Wir haben zugehört!
Aber es geht nicht, zu wenig Platz an diesem artgerechten Ort.
Und so sehe ich
Die Angst, wie sie den ganzen Körper einnimmt.
Das Messer, das mit einem langsamen und genüsslichen Schnitt die Kehle in Zwei teilt.
Das Blut, das aus dem noch atmenden Körper schießt.
Die quälenden Schreie, sie verlieren langsam an Kraft,
in meinem Kopf hallen sie unendlich fort.
Die dunklen Tropfen des Bluts, sie spritzen auf meine Haut
und wirken dabei wie eine schnelle Anästhesie.
Ich sehe, höre und spüre all das was diesen Moment so grausam macht.
Im gleichen Augenblick habe ich die süßlichen Worte im Ohr:
‚Keine Sorge, dir passiert nichts‘
Worte, die bei den Einfältigen sofort Anklang finden.
…und es gibt viele Einfältige, dass wissen Sie ja sicher!
Ich weiß auf jeden Fall, dass der nächste Schnitt mein Leben genauso beenden wird:
Die Augen auf den Nachbarn gerichtet; Hilfe suchen, die nicht kommt; Kehle auf Messer; schreiendes Blut – Nichts.
…dir passiert Nichts.
Die Lüge der Herrschenden.
ETA, Dezember 2019